Warum ich gerne Bestatterin bin?

Als ich meinem Vater vor Jahren erzählt habe, dass ich als Bestatterin arbeiten möchte, hat er im ersten Moment einen ganz schönen Schreck bekommen.
Zahnlose, bucklige Totengräber, die den ganzen Tag nur Gruften buddeln und Tote umherfahren. Friedhöfe, die im dichten, dunklen Nebel liegen. Hochgiftige, verwesende Leichen. Immer umgeben von trauernden, verschleierten, herzzerreißend weinenden Angehörigen. All das spukte plötzlich in seinem Kopf umher.
Heute bin ich ausgebildete Bestattungsfachkraft. Über die Jahre hat er gemerkt, dass seine Ängste und Sorgen viel zu groß waren. Habe ich gelernt ein Grab zu schaufeln? Ja, habe ich. Man muss sichern, messen, sichern, aufbauen, sichern, anfangen zu graben, wieder sichern, weiter graben, wieder sichern. Glücklich sind die, die einen Bagger haben. In der Lehre lernt man aber auch noch ein Grab schaufelnd zu öffnen. Weiß ich, wie man einen verstorbenen Menschen wäscht und einkleidet? Ja und ja, manchmal muss man ein bißchen aufpassen. Es gibt kein Leichengift, aber manche Menschen tragen schon zu Lebzeiten eine Infektion in sich, die nicht „mitstirbt“. Das ist nicht eklig und auch nicht hochgiftig, aber man muss sich schützen. Deswegen ist auch nicht immer ein letzter Abschied am offenen Sarg möglich. Bin ich auf Friedhöfen unterwegs? Ja, und das oft genug bei „Hamburger Wetter“. Gerade im Herbst ist es wirklich etwas verwunschen. Regnerisch, stürmisch, neblig, kalt. Aber es gibt auch dann die schönen Tage, an denen das goldene Laub von den Bäumen fällt und die Gräber bedeckt. Im Frühjahr und Sommer blüht es in allen Farben. Im Winter schläft alles unter einer dicken Schicht Schnee. Oder es ist matschig. So matschig, dass man einen zweiten schwarzen Anzug braucht, um nach der ersten Urnenbeisetzung noch vernünftig auszusehen.
Bin ich umgeben von trauernden Menschen? Ja. Das ist immer der schwierigste Teil. Ich habe einen Vater begleitet, der mit Mitte neunzig sein Kind im Rentenalter beerdigen musste. Eine Tochter, gerade zehn Jahre alt, deren Mutter Selbstmord begangen hat. Ein Bruder, der zwei seiner Geschwister an Krebs verlor. Eine Dame, die ganz allein starb und erst Wochen später in der Wohnung gefunden wurde. Eine Tante, die unbedingt mit ihrem Hund zusammen begraben werden wollte. Jeder Mensch hat eine Geschichte. Eine Geschichte, die nicht nur das eigene Leben betrifft. Jede Geschichte hat ein Ende. Manchmal wird man auf dieses Ende vorbereitet, oft genug wird man einfach heraus gerissen. Für die, die von diesem Ende betroffen sind, ist es häufig ein Schock, ein Schreck. Der Tod jagt uns allen einen Schrecken ein. Mir auch immer noch. Aber ich habe gelernt, wie ich unseren Angehörigen, wie ich Ihnen, helfen kann. Zu uns kommt selten jemand freiwillig. Wenn Sie zu uns kommen, stehen wir Ihnen bei, hören Ihnen zu und vermitteln auf Wunsch eine intensivere Trauerbegleitung. Wir geben Orientierung, indem wir mit Ihnen die nötigen Formalitäten (und davon gibt es viele) besprechen, die Termine koordinieren und mit Ihnen den Ablauf der Beerdigung planen.
Vielleicht schaffen wir es sogar, Ihnen Mut zu machen.

Auch mein Vater hat mittlerweile erkannt, dass man nicht automatisch all seine Zähne und seinen Lebensmut verliert, wenn man als Bestatter arbeitet.
Wir wollen Ihnen helfen, ein Leben, das Sie lieben oder geliebt haben, zu feiern!

Rufen Sie mich und meine Kollegen gern jederzeit an.
Auch, wenn Sie einfach mal über die eigene Vorsorge reden möchten.

Vanessa Fillmer
Bestattungsfachkraft
Beerdigungsinstitut Otto Musfeldt GmbH

By | 2018-03-26T11:15:00+00:00 Montag, Februar 26, 2018|Testament|0 Kommentare

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